Abiturienten bauen ihr Denkmal wieder auf

Das Denkmal des Abi-Jahrgangs von 1986 des Heinrich-Heine-Gymnasiums wurde vor 30 Jahren zerstört. Zum Jubiläum bauten die Ehemaligen Kunstwerk wieder auf.

Der schwarze Würfel ist zurück am Heinrich-Heine-Gymnasium. Nur der bröckelnde Betonsockel erinnerte 30 Jahre lang an den Abiturjahrgang von 1986. Aktuelle Schüler wussten nicht, was dieser nutzlose Quader an der Aula zu bedeuten hat. Nun haben die ehemaligen Abiturienten von 1986 zum Jubiläum den Würfel an seinen angestammten Platz zurückgebracht und erneut auf dem Sockel befestigt.

Rückblick: Der Kalender schreibt das Jahr 1986. Die Jahrgangsstufe hat das Abi in der Tasche. Das Motto lautet „alea iacta est („Die Würfel sind gefallen“). Schnell wird überlegt, wie man sich auf dem Schulhof für die Nachwelt mit einem Abi-Denkmal verewigen kann. Heute ist diese Praxis beinahe Standard an Schulen, damals eher eine Seltenheit. Letztlich fällt die Wahl – getreu dem Abi-Motto – auf einen Würfel, der auf einem Betonsockel montiert wird. In Eigenregie wird das Fundament gegossen und der schwarze Würfel aus Blechen zusammengeschweißt und schwarz lackiert. Schrauben dienen als Zahlen. Dann wird der Würfel auf eine Stange montiert und diese im Betonsockel versenkt.

Die Freude über das eigene Kunstwerk ist nur von kurzer Dauer. „Aus welchen Gründen auch immer wurde das Denkmal nach wenigen Tagen beschädigt“, sagt Christa Herlinger. Der Würfel war vom Sockel gefallen oder mutwillig zerstört worden. Die genauen Hintergründe lassen sich nicht rekonstruieren. Jedenfalls liegt das Denkmal zerstört auf dem Boden. „Möglicherweise war es ein Konstruktionsfehler“, gibt Christof Schraven heute offen zu: „Wir hatten damals keine Ahnung von Statik.“ Der Würfel sollte als Symbol für die gemeinsame und erfolgreiche Schulzeit am Heinrich-Heine-Gymnasium die Jahre überdauern. Drei Jahrzehnte später haben die Schüler von einst dazugelernt. In den vergangenen Tagen wurde auf der Betonoberfläche ein Sockel aus Edelstahl montiert. Streben zwischen Stange und Edelstahlsockel verstärken zudem den Halt.

Beim 25-jährigen Klassentreffen reifte der Entschluss, das Denkmal beim nächsten Wiedersehen feierlich vollständig aufzubauen. Fünf Jahre später ist es soweit. „Gut Ding will eben Weile haben“, sagt Knut Wiesten. Das defekte Denkmal war in all der Zeit in seinem Besitz. Jetzt ist es wieder da, wo es hingehört nämlich in einer Reihe mit den Abi-Denkmälern anderer Jahrgangsstufen des Gymnasiums. Nach 30 Jahren hat die Geschichte ein Happy End.

Als der kommissarische Schulleiter Tobias Mattheis von den Absichten des Jahrgangs erfährt, ist er hellauf begeistert. „Ich finde das eine tolle Idee. Es zeigt, wie sehr sich ehemalige Schüler mit unserer Schule identifizieren.“ Spontan nimmt er an der feierlichen Einweihung teil und führt die Ehemaligen bei einem kurzen Rundgang durch das Gymnasium. Abends geht das Jahrgangstreffen weiter. „Mit mehr als 80 Ehemaligen werden wir unser Jubiläum und das Denkmal feiern“, sagt Christa Herlinger.
Carsten Liebfried / WAZ 7.11.2016

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