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Neuer Grabstein steht auf Jüdischem Friedhof

Seine Gemeinde erinnert an den verstorbenen Lehrer Jo Tippelmann. Oberbürgermeister Bernd Tischler würdigt die Beerdigung Verstorbener jüdischen Glaubens auf dem Gräberfeld am Westfriedhof.

Von Norbert Jänecke / WAZ Bottrop 14.6.2017

Ein neuer Grabstein steht auf dem Jüdischen Friedhof. Dieser Gedenkstein erinnert an Horst Josef Tippelmann. Vor elf Monaten war der ehemalige Lehrer des Heinrich-Heine-Gymnasiums auf dem kleinen Gräberfeld am Rande des Westfriedhofs beerdigt worden. Wie es im Judentum Brauch ist, enthüllte die Jüdische Gemeinde knapp ein Jahr nach seinem Tod in einer kurzen Zeremonie seinen Grabstein. „Es ist gut, dass hier wieder Menschen jüdischen Glaubens ihre letzte Ruhestätte finden können“, unterstreicht Oberbürgermeister Bernd Tischler.

Die meisten Grabsteine auf dem Friedhof sind schon so alt, dass ihre Inschriften nicht mehr lesbar sind. Nur wenige halten die Erinnerung an die Verstorbenen noch so wach wie der nun enthüllte Gedenkstein: Hier ruht Horst Josef Tippelmann steht darauf. „Wir nennen ihn Israel Ben Abraham“, erklärt Judith Neuwald-Tasbach, die Leiterin der Jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck: Israel Sohn des Abraham, heißt das. Für jeden Buchstaben dieses hebräischen Namens spricht Rabbiner Chaim Kornblum einen Psalm.

„Nach alter jüdischerTradition legen wir als Zeichen der Anerkennung und als Ausdruck dafür, dass wir das Grab besucht haben, kleine Steine darauf“, erklärt der Rabbiner. Viele Besucher des Friedhofs folgen seiner Bitte. Darunter sind eine Reihe früherer Kollegen und Schüler des Lehrers. Jo Tippelmann, wie ihn seine Kollegen nannten und frühere Schüler kannten, unterrichtete am Heinrich-Heine-Gymnasium Russisch und Latein. „Ich freue mich, dass so viele Weggefährten gekommen sind und Herr Tippelmann hier seinen Frieden gefunden hat“, sagt Judith Neuwald-Tasbach. Oberbürgermeister Bernd Tischler verweist darauf, dass Tippelmann sehr stark von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Verbrechen der Nationalsozialisten geprägt war, auch wenn er als Kleinkind nur die letzten Kriegsjahre erlebte. Auf dem Gräberfeld erinnert eine Gedenktafel an neun Juden, deren Gräber wegen Friedhofsschändungen nicht mehr auffindbar sind. „Der Friedhof war lange Zeit nicht erwünscht in dieser Stadt. Er ist damit auch ein Mahnmal für uns alle“, sagt Tischler. Jo Tippelmann habe sich stets zu seiner Religion bekannt. „Er trug den Davidstern sichtbar an seiner Kleidung“, erzählt der Oberbürgermeister. „Wir leben in einer schweren Zeit. Übergriffe islamistischer Terroristen verbreiten Angst und Schrecken. Rechtsradikale machen sich die Ängste der Menschen zu nutze“, mahnt Tischler. „Wir alle sind aufgefordert, uns für unsere Demokratie einzusetzen. Jo Tippelmann hat das getan“.

Grabstein Tippelmann

Das Haus des ewigen Lebens

■ Der Jüdische Friedhof  ist Teil des Westfriedhofes. Als dieser 1898/99 angelegt worden war, entstand ein gesonderter Bereich, auf dem eine Reihe jüdischer Bürgerinnen und Bürger bestattet wurde. Eine Gedenktafel erinnert außerdem an neun Juden, die in derzeit zwischen 1922 und 1930 gestorben waren. Wegen Friedhofsschändungen sind ihre Gräber nicht mehr auffindbar.

 

■ Der Friedhof wird im jüdischen Volksmund „Haus des ewigen Lebens“ genannt. Beim Besuch eines Grabes legen Angehörige einen kleinen Stein auf den Grabstein, um zu zeigen, dass der Verstorbene nicht vergessen ist.

Grabstein Tippelmann_2

 

 

 

 

 

http://www.juedische-friedhoefe.info/friedhoefe-nach-regionen/ruhrgebiet/bottrop/der-friedhof-von-bottrop.html#/2

 

Ex-HHG-Schüler in der FAS zum Thema „Schuluniformen“

Kleider machen Schule.

An amerikanischen Schulen mit Uniform gibt es weniger Mobbing und Gewalt. Ist das ein Vorbild für Deutschland? / Von Markus Günther / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 11. Juni 2017

Dr. Markus Günther, geboren 1965 in Bottrop, machte am Heinrich-Heine Gymnasium 1986 sein Abitur, studierte Geschichte und Politikwissenschaften, bevor er für verschiedene Zeitungen tätig war.  Er ist Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und lebt in Washington, D.C.

Das Wort selbst ist ein Teil des Problems: Wer will schon sein Kind in eine Uniform zwängen? Das klingt nach FDJ und Hitlerjugend, nach Strammstehen und Gleichschritt. Vielleicht hegt es tatsächlich an dem schrecklichen Wort, dass in Deutschland bislang fast alle lokalen Versuche gescheitert sind, Schuluniformen einzuführen. Wenn jetzt ausgerechnet Politiker der AfD Schuluniformen fordern, wird sich der Widerstand gewiss verhärten. Dabei würde sich eine vorbehaltlose Debatte schon lohnen.

Denn wer erst einmal den deutschen und amerikanischen Schulalltag aus der Nähe vergleicht, ist schnell überzeugt: Einheitslook und Kleidervorschriften machen Eltern, Lehrern und Kindern das Leben leichter. Die positiven Alltagserfahrungen und Argumente sind so erdrückend wie die messbaren Ergebnisse. Denn gerade da, wo die Schuluniform erst im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte eingeführt worden ist, liegen gut vergleichbare Daten vor, etwa für die schulischen Leistungen, Mobbing, Pünktlichkeit, Disziplinarmaßnahmen. Dabei weisen alle Indikatoren in dieselbe Richtung: Die Vorteile von Schuluniform und Kleiderordnung wiegen stärker als alle möglichen Nachteile. Und nicht die Kinder der gesellschaftlichen Eliten auf teuren Privatschulen, sondern gerade die Kinder der Unterschicht in sozialen Problemvierteln, Migrantenkinder und ethnische Minderheiten profitieren am stärksten von den Kleidervorschriften. Wer ständig Gleichheit predigt, sollte bei der Schuluniform anfangen. Es ist höchste Zeit, die deutschen Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen.

Schuluniformen sind an den Privatschulen vieler Länder gang und gäbe, etwa in Kanada, Japan und England. In den Vereinigten Staaten haben zuletzt aber auch immer mehr öffentliche Schulen Uniformen eingeführt. Etwa jeder vierte Schüler in Amerika geht heute in Uniform zur Schule, an den öffentlichen Schulen ist es immerhin jeder fünfte. Dabei darf man sich unter dem Begriff nicht etwa eine Uniform im paramilitärischen Sinne vorstellen. Insofern ist der Begriff tatsächlich irreführend. In den allermeisten Fällen heißt Schuluniform für Mädchen: ein Rock in den Farben oder mit dem Muster der Schule, dazu Bluse, Pullover oder Strickjacke, manchmal auch Kniestrümpfe und schwarze Schuhe, und oft Sportkleidung mit dem Wappen der Schule. Für die Jungen: helle oder dunkle Stoffhose, Oberhemd in Weiß oder Hellblau, oft Krawatte oder Pullover mit dem Schulwappen. Streng oder verklemmt sieht das alles nicht aus, wohl aber fein, traditionell und ein bisschen wie aus einer anderen Zeit – denn außerhalb der Schulzeit tragen amerikanische Kinder und Teenager die Klamotten, die sie wollen, und sehen damit kaum anders aus als die Kinder und Jugendlichen in Frankfurt oder Hamburg.

Erst 1987 begann in den Vereinigten Staaten das moderne Zeitalter der Schuluniform, die an vornehmen Privatschulen und in Internaten natürlich nie ausgestorben war. Doch erst in der Ära Ronald Reagans, die zugleich eine Zeit wachsender Kriminalität und Jugenddelinquenz war, begannen auch öffentliche Schulen, mit Uniformen zu experimentieren. Ausgangspunkt war bezeichnenderweise eine schlimme Gewalttat: In Baltimore starb 1986 ein Jugendlicher im Streit um eine 95 Dollar teure Sonnenbrille, die ihm ein anderer stehlen wollte. Die darauf folgende öffentliche Debatte um den damals noch neuen Markenkult unter Jugendlichen führte dazu, dass die ersten Public Schools Schuluniformen einführten – von den meisten Eltern wurde die Entscheidung gleich befürwortet. Die Neuerung fand überall in Amerika Nachahmer. Bill Clinton machte sich als Präsident von 1993 an zum leidenschaftlichen Befürworter von Uniformen in öffentlichen Schulen. Er hielt viel beachtete Reden dazu und lieferte den Schulen ein Handbuch für die konkrete juristische und praktische Umsetzung: „Wir sollten im Interesse unserer Kinder jeden Schulbezirk unterstützen, der Uniformen einführen will“, sagte Clinton damals.

1994 erregte die Stadt Long Beach in Kalifornien nationales Aufsehen mit der Entscheidung, in allen öffentlichen Schulen Uniformen einzuführen. Auch dort war es eine Reaktion auf jugendliche Rivalität und steigende Kriminalitätsraten. Seither diente gerade Long Beach als bevorzugtes sozialwissenschaftliches Studienobjekt für die Wirkung von Schuluniformen. Die Zahlen sind klar: Die Zahl geschwänzter Schulstunden sank um 47 Prozent, Fälle von Vandalismus in Schulen gingen um siebzig Prozent zurück, Tätlichkeiten und Mobbing unter Schülern um 85 Prozent und Schulverweise um neunzig Prozent. Sogar die Zahl sexueller Übergriffe sank um über neunzig Prozent. Soziologen erklären das damit, dass Schuluniformen grundsätzlich den wechselseitigen Respekt erhöhen und ein allgemeines Klima von Pflichtbewusstsein, Anstand und Disziplin fördern. Vergleichbare Studien in Virginia, vor wenigen Wochen vom amerikanischen Bildungsministerium veröffentlicht, haben die Zahlen im Großen und Ganzen bestätigt. Weil die Studienergebnisse so überzeugend sind, ist die Zahl der öffentlichen Schulen mit Schuluniform in den vergangenen zehn Jahren in den Vereinigten Staaten um die Hälfte gestiegen.

Es sind heute neben den teuren amerikanischen Privatschulen, die meistens zwischen 20.000 und 40.000 Dollar Schulgebühren im Jahr kosten (aber durch Stipendien auch eine große Zahl von Kindern ärmerer Familien aufnehmen) gerade die öffentlichen Schulen in den Gettos und Problemvierteln, die auf Schuluniformen setzen. Zudem haben in vielen großen Städten wie Philadelphia, Chicago und New Orleans praktisch alle öffentlichen Schulen eine eigene Uniform, um erst gar nicht den Eindruck entstehen zu lassen, es gebe bessere und schlechtere Bildungseinrichtungen. Vielmehr soll der Gemeinschaftsgedanke an jeder einzelnen Schule gefördert werden.

Hinzu kommt, dass die meisten Schulen, die auf Uniformen verzichten, stattdessen einen strengen Dresscode haben. Das gilt heute für etwa sechzig Prozent aller amerikanischen Schulen, die Zahl ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Was genau der Dresscode vorschreibt, variiert. Aber amerikanische Lehrer und Schuldirektoren haben keine Hemmungen, klare Vorschriften zu erlassen und durchzusetzen. Oft sind Flip-Flops und Sandalen verboten, hängende Ohrringe, Piercings, Lippenstift und sichtbare Tätowierungen, außerdem hängende Hosen, schulterfreie Tops, zu kurze Hosen und Röcke. (Faustregel für die Rocklänge: Sie muss länger sein als die Fingerspitzen der herabhängenden Hände im Stehen.) Schließlich gehört zum Dresscode fast immer ein Verbot von Kleidung mit politischen oder religiösen Slogans. Mützen mit der Aufschrift „Make America Great Again“ sind ebenso verboten wie T-Shirts mit dem Slogan „Trump is not my President“.

Übrigens gilt ein Dresscode in der einen oder anderen Form auch für die Lehrer. Typisch deutscher Schlabberlook aus verwaschenen Blue Jeans und T-Shirt wäre an den allermeisten amerikanischen Schulen undenkbar. Wo von den Schülern Oberhemd und Krawatte und von den Schülerinnen Rock oder Kleid verlangt wird, erwartet man von den Lehrern und Lehrerinnen nicht weniger.

Unterbrochen wird all das von den gelegentlichen „Dress Down Days“, etwa einmal im Quartal, oft als Spendenaktion organisiert: Wer einen Dollar in die Klassenkasse oder für ein Projekt spendet, muss an diesem Tag keine Schuluniform tragen, sondern darf in selbst ausgesuchten Klamotten kommen. An jedem dieser Tage ist die Freude groß, aber die Rückkehr zum Alltag in Schuluniform am Tag darauf selbstverständlich, zumal die Kinder kreativ sind, wenn es darum geht, die winzigen Gestaltungsspielräume auszunutzen, die Dresscode und Uniform lassen, etwa mit Haarspangen, Ketten, Ringen, Socken und Schuhen. Der Vorwurf, die Uniform unterdrücke die Entfaltung der Persönlichkeit, ist kaum ernst zu nehmen. Die klügsten und kreativsten amerikanischen Köpfe von Hillary Clinton und Barack Obama bis zu Steve Jobs und Mark Zuckerberg haben alle mal Schuluniform getragen.

Das vielleicht stärkste Argument für die Schuluniform ist aber gerade dies: Es liegt ein Schuss Gleichmacherei darin. Migrantenkinder und Kinder aus Minderheiten, die durch Hautfarbe, Religion, Sprache oder kulturelle Eigenheiten auffallen, haben durch die Schuluniform vom ersten Tag an das Gefühl, voll und ganz dazuzugehören. Was aus großer Entfernung so elitär aussieht, ist in Wirklichkeit ein Programm des sozialen Ausgleichs und der kulturellen Integration. Beides würde auch Deutschland guttun.

Das heißt nicht, dass es keine Kritiker gäbe. Im Gegenteil, irgendwo in den Vereinigten Staaten macht immer gerade ein Streit um Schuluniformen Schlagzeilen, und vor irgendeinem Gericht wird immer gerade verhandelt, ob diese oder jene Vorschrift zu weit geht, mit welchen Methoden die Kleidervorschrift durchgesetzt werden darf, ob Zuwiderhandlungen die Entlassung von der Schule rechtfertigen und ob Kinder, die ihr natürliches Geschlecht ändern wollen (oder schon geändert haben), zu der einen oder anderen Uniform gezwungen werden können. Da die Gesetze in jedem der fünfzig Bundesstaaten anders sind und die Schulpolitik fast überall in lokalen Bezirken reguliert wird, hört der Streit nie auf und mit ihm die Flut sich widersprechender Urteile. Dennoch sind die Kritiker eine Minderheit. Die Meinungsverschiedenheiten haben auch nichts mit links und rechts zu tun. Selbst in liberalen Städten wie Boston haben die meisten öffentlichen Schulen Uniformen. Die Grenzen verlaufen nicht zwischen Konservativen und Liberalen, eher zwischen Lehrern und Eltern auf der einen und Schülern auf der anderen Seite.

Lehrer sind etwa zu neunzig Prozent vom Sinn der Schuluniform überzeugt, Eltern je nach Umfrage zu zwischen fünfzig und siebzig Prozent Die Schülerschaft ist gespalten. Vor allem ältere Teenager sind mehrheitlich dagegen, jedenfalls an den gemischten Schulen, an denen es auch eine Rolle spielt, dem anderen Geschlecht zu gefallen. An reinen Jungen- und reinen Mädchenschulen dagegen (in Amerika immerhin zusammen 800 öffentliche Schulen und ein großer Teil der Privatschulen) spielt das Argument keine Rolle. Vielleicht ist es auch einfach zu viel verlangt, von Schülern Begeisterung für die Uniform zu erwarten. Geht es um Hausaufgaben und Klassenarbeiten, lässt schließlich auch niemand die Schüler darüber abstimmen.

Bleibt die Frage: Wer bezahlt eigentlich für die Schuluniform? Tatsächlich entstehen durchschnittlich etwa 250 Dollar Kosten im Schuljahr, und die Branche setzt in Amerika etwa 1,3 Milliarden Dollar im Jahr um. Familien, die Mühe haben, die Kosten zu stemmen, erhalten aber fast überall finanzielle Unterstützung. Zudem regelt sich vieles einfach dadurch, dass gebrauchte Teile der Schuluniformen auf Tauschbörsen weiterverkauft werden.

Zu guter Letzt: Dass das alles nicht nur ein journalistisches Rechercheergebnis, sondern auch persönliche Erfahrung ist, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Der Autor ist befangen. Unsere Kinder besuchen seit dem vergangenen Jahr wieder, wie früher schon einmal, amerikanische Schulen in Washington. Die Mädchen tragen ein kariertes Kleid und für den Sportunterricht kurze Hose und weißes Poloshirt mit dem Schulwappen. Für den Jungen gilt ein Dresscode, der Hemd, Krawatte und Blazer nach freier Wahl verlangt, aber Turnschuhe, alberne Socken und einiges mehr verbietet. Die familieninterne Umfrage zeigt eine einstimmige Befürwortung von Schuluniformen – sowohl auf Seiten der Kinder als auch der der Eltern. Auch wenn die Stichprobe zugegebenermaßen etwas klein geraten ist, ist das Ergebnis wohl doch nicht untypisch. Die wichtigsten Argumente der Kinder: Stolz darauf, zur Schulgemeinschaft zu gehören, und keine Eifersüchteleien um die Klamotten. Und der Eltern: Es gibt morgens überhaupt keine Diskussion darüber, was heute angezogen wird.

 

P.S.

Markus Günther hat im Februar sein Roman-Debüt mit dem Titel „Weiß“ vorgelegt (ISBN 9783038200437 / 20,00 €)

In den Medien ist es u.a. hier besprochen worden:

https://swrmediathek.de/player.htm?show=fcf20820-46b3-11e7-9fa5-005056a12b4c

♦https://denkzeiten.com/2017/06/10/markus-guenther-weiss-rezension/

Grabstein für Jo Tippelmann

Am 13. Juni auf dem Jüdischen Friedhof.

Vor knapp einem Jahr verstarb in Bottrop Horst Josef Tippelmann, der Mitglied der Jüdischen Gemeinde war. Er war lange Jahre Lehrer am Heinrich-Heine-Gymnasium und durch sein Engagement bekannt. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof am Westfriedhof bestattet. Nun bekommt sein Grab einen Grabstein.

Zur Grabsteinsetzung findet dort in Anwesenheit des Rabbiners Chaim Kornblum und der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen-Bottrop-Gladbeck, Judith Neuwald-Tasbach, am Dienstag, 13. Juni, ab 17 Uhr eine Zeremonie statt, zu der auch Gäste eingeladen sind. Oberbürgermeister Bernd Tischler wird ein Grußwort sprechen. Männliche Besucher werden gebeten, auf dem Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

WAZ Bottrop 8.6.2017

 

https://www.bottrop.de/presseportal/pressemeldungen.php?sp:newsdeskDetails=https://www.bottrop.de/guiapplications/newsdesk/publications/Stadt_Bottrop/113010100000185303.php&sp:cmp=newsdeskRss-1

 

Schüleraustausch beginnt mit HHG

Mit Rainer Hürter und seinen Klassenkameraden begann 1968 der enge Kontakt zwischen dem Gymnasium und Schulen der französischen Partnerstadt Tourcoing

Wenn ich an Tourcoing denke, erinnere ich mich an …: So sollen die Erinnerungssätze beginnen, die viele Bottroperinnen und Bottroper an ihre nordfranzösische Partnerstadt haben. Zu sehen sind sie ab dem 8. Juni im Kulturzentrum. Dann beginnt nämlich nicht nur das Stadtfest, sondern auch die nächste Ausstellung des Stadtarchivs, das damit an die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags zwischen beiden Städten vor nunmehr 50 Jahren erinnert.

„Wenn ich an Tourcoing denke, erinnere ich mich an jahrzehntelange Kontakte zu Schülern und Kollegen, die zum Teil noch heute meine Freunde sind“, sagt Rainer Hürter. Der Kommunalpolitiker und ehemalige Französischlehrer am Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) gehörte 1968 zum ersten Jahrgang seiner Schule, des alten Jungengymnasiums, mit dem der offizielle Schüleraustausch begann. Dass er später selbst einmal an seiner alte Penne unterrichten würde, hatte Hürter (Jahrgang 1950) sich damals jedenfalls nicht träumen lassen. „Wir waren 13 Primaner, die sich mit den Lehrern Klaus Kayser und Roland Trottenburg nach Tourcoing aufmachten“, erinnert sich der inzwischen pensionierte Oberstudienrat. „Für mich war es die erste Frankreich-Tour überhaupt. Und nur mit Klassenkameraden längere Zeit von zu Hause fort zu sein, war ebenfalls eine neue Erfahrung.“

Obwohl der Krieg damals keine 25 Jahre vergangen, die Aussöhnung mit dem einstigen „Erbfeind“ und Kriegsgegner und die deutsch-französische Freundschaft seit Adenauer und de Gaulle noch ein zartes Pflänzchen war, gingen die Gymnasiasten von einst recht unpolitisch auf große Abschlussfahrt.

Es sei eher um die Sprachkenntnisse, das Kennenlernen der anderen Kultur, Küche und Lebensart gegangen, sagt Rainer Hürter. Er lacht immer noch, wenn er über einem Zeitungsbericht von damals liest „Bottroper Schülern schmeckte Fenchel nicht“. Seine Austauschfamilie lebte damals mit vielen Kindern in einem Hochhaus. Hürter dagegen wuchs behütet an der Luggesmühle auf. Das bis heute straffe fast militärische, Schulsystem des Nachbarlandes fiel schon damals in den ungleich strengeren 60er Jahren den Bottroper Jungs auf.

Seither wird der Austausch mi der Partnerstadt gefördert und ist so findet Rainer Hürter, politischer, vielfältiger und bunter geworden. Paris gehöre heute immer zum Programm, so der Lehrer, der zu seiner aktiven Zeit den Austausch zwischen Tourcoing und dem HHG koordinierte.

Gerade jetzt, angesichts von Brexit, Rechts- und Linkspopulismus, der prekären Situation in Polen und Ungarn, sollten die Kontakte eher verstärkt als zurückgefahren werden, so der CDU-Politiker.

Von Dirk Aschendorf / WAZ Bottrop vom 22.4.2017

HHG-Hürter

Rainer Hürter gehörte nicht nur 1968 zu den ersten Austauschschülern
zwischen dem Bottroper HHG und Tourcoing. Er koordinierte später
viele Jahre an seiner alten Penne selbst die Touren in die Partnerstadt.

Ex-HHG-Schülerin arbeitet im Friedensdorf Oberhausen

Maria Tinnefeld war noch nicht auf der Welt, als das Friedensdorf Oberhausen gegründet wurde. Heute arbeitet die Bottroperin da: Extrem sinnvoll.

„Wann nach Hause? Wann nach Hause?“ Der kleine dunkelhäutige Junge bestürmt Maria Tinnefeld beim Gang durch das Friedensdorf Oberhausen. „Es dauert noch“, erklärt sie ihm. „Erst wenn du ganz gesund bist, kommt das Flugzeug.“ Der Junge ist einer von vielen kleinen Patienten, die nach schweren Krankheiten oder Operationen im Friedensdorf gesund gepflegt werden. „Fünf?“, fragt er nochmal und streckt fünf Finger hoch. „Nein, noch länger“, sagt ihm Maria Tinnefeld.

Seit zehn Jahren arbeitet die Bottroperin im Friedensdorf, das vor 50 Jahren gegründet wurde, lange bevor sie selber das Licht der Welt erblickte. Gegründet wurde es von Oberhausener Bürgern, die Verantwortung übernehmen wollten für Kinder aus Kriegsgebieten und damals an ein Provisorium und vorübergehende Hilfe dachten. Die Einrichtung besteht bis heute und wird weiter dringend gebraucht. Anfang des Jahrtausends wurde die Anlage komplett saniert und teils neu gebaut.

Nach dem Abitur als Praktikantin angefangen

Damals war auch Maria Tinnefeld schon dabei. 1999 hat sie am Heinrich-Heine-Gymnasium ihr Abitur gemacht und nach einem Praktikumsplatz gesucht. Sie dachte an ein Kinderheim und bekam von einer Freundin den Tipp: Friedensdorf Oberhausen. „Das kannte ich bis dahin gar nicht, obwohl es ja nur zehn Kilometer von Bottrop entfernt ist. Als ich hier ankam, war da eine bunte Traube von Kindern“, erinnert sich die heute 36-Jährige.

Drei Monate wollte sie damals eigentlich bleiben. „Ich habe drei Mal verlängert.“ Schon als Praktikantin konnte sie 2000 mit auf einen Auslandseinsatz, drei Tage Angola, um Kinder von dort nach Deutschland zu bringen. Damals hat es sie gepackt.

Sozialpädagogik studiert

Sie hat dann Sozialpädagogik studiert und den Schwerpunkt auf interkulturelle pädagogische Friedenserziehung gelegt. Nach dem Studium hat sie direkt in Oberhausen angefangen. „Hier findet sich die ganze Weltgeschichte wieder“, sagt sie. Die Folgen von Kriegen, Not und Elend sind bis ins Friedensdorf zu spüren. Sie macht Auslandseinsätze und Organisation und ist seit dem Sommer auch Sprecherin des Friedensdorfes.

300 Kinder aus acht Ländern werden betreut, die eine Hälfte im Dorf, die andere in Krankenhäusern. Bei der Gründung im Juli 1967 wollten die Initiatoren Kindern aus dem Nahen Osten und Israel helfen. Die Hilfe wurde nicht gebraucht, weil der Krieg nach sechs Tagen zu Ende ging.

Die ersten Kinder kamen 1967 aus Vietnam

Die Geschichte des Friedensdorfes beginnt so eigentlich mit der Behandlung von Kindern während des Vietnamkrieges, im Dezember 1967 kamen die ersten. Schon damals war der Plan, dass die Kinder nach der Behandlung in ihre Heimat zurückkehren. Bis heute hat das Friedensdorf enge Kontakte zu Vietnam, auch wenn es hier keine Einzelfallhilfe mehr gibt.

Die ist derzeit vor allem in Afghanistan und Angola notwendig. Die Kinder werden den Helfern vor Ort von ihren Eltern gebracht und mit nach Deutschland genommen, wenn ihre Verletzungen, Infektionen, angeborene Fehlstellungen und Krankheiten wegen der unzureichenden medizinischen Versorgung in ihrer Heimat nicht behandelt werden können.

Krankenhäuser in ganz Deutschland versorgen die Kinder kostenlos. Eines davon ist das Marienhospital in Bottrop, das Kinder in die Kinderklinik und die Orthopädie aufnimmt. „Das ist ein ganz großer Gewinn für uns“, freut sich Maria Tinnefeld.

Kinder werden gesund gepflegt

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus werden sie im Friedensdorf gesund gepflegt, erhalten Therapien, Prothesen und Medikamente. Mit Medizin und Hilfsmitteln werden sie bei Bedarf auch nach ihrem Rückflug weiter kostenlos versorgt. Manche bleiben ihr Leben lang darauf angewiesen.

Im Schnitt bleiben die Kinder sechs Monate in Deutschland, berichtet Maria Tinnefeld. „Sie wollen unbedingt wieder wieder nach Hause“, ungeachtet aller Not und Armut. Und so wird sie mit Fragen bestürmt, wenn sie durch Dorf läuft: „Wann nach Hause?“ Bald.

DAS FRIEDENSDORF BRAUCHT SPENDEN

Aus drei Säulen besteht die arbeit des Friedensdorfes Oberhausen: Die größte ist immer noch die Einzelfallhilfe für verletzte und kranke Kinder in Deutschland, die aber immer schwieriger wird, weil sich der Kostendruck der Krankenhäuser auswirkt. Zweite Säule die Arbeit vor Ort, wo beispielsweise Basisgesundheitsstationen aufgebaut werden. Dritter Bereich ist die Bildungsarbeit mit Kinder- und Jugendgruppen, die das Friedensdorf besuchen.

Das Friedensdorf finanziert seine Arbeit durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Gut fünf bis sechs Millionen Euro müssen jährlich aufgebracht werden. Spenden sind möglich bei der Sparkasse Oberhausen auf das Konto IBAN: DE59 3655 0000 0000 1024 00. Weitere Informationen auf: www.friedensdorf.de

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Maria Tinnefeld mit einigen Kindern im riesigen Speisesaal des Friedensdorfes Oberhausen.

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Beim Gang durch Friedensdorf wird Maria Tinnefeld von den Kindern bestürmt.
Fotos: Heinrich Jung

WAZ vom 19.1.2017

Abiturienten des HHG feiern Denkmalparty

Die Veranstaltung gibt es seit zehn Jahren. Wiedersehen mit alten Schulfreuden

Die Denkmalparty des Heinrich-Heine-Gymnasiums setzt die bisherige Erfolgsgeschichte fort: Seit zehn Jahren findet die Feier der ehemaligen Schüler alle zwei Jahre mit Wegbegleitern, Freunden und Bekannten statt. Am 23. Dezember laden nun diesjährig zehn Abschlussjahrgänge des Gymnasiums in das Oberhausener Resonanzwerk ein. Jeder – ob Abiturient oder nicht – ist willkommen, bei den letzten Festen kamen Schulkameraden aus allen weiterführenden Schulen Bottrops.

„Die Party ist ein Ehemaligen-Treff in lockerer Atmosphäre. Die Stimmung ist sehr ungezwungen“, sagt Organisator Carsten Rietfort, der die Feier erstmalig vor zehn Jahren ins Leben rief. „Im Vergleich zu einem normalen Stufentreffen wollten wir etwas Außergewöhnliches bieten. In dieser Form gibt es in der Umgebung bisher wenig“, ergänzt Rietfort.

Die Veranstaltung entstand 2007, als die Schüler sich Gedanken über ihr eigenes Denkmal auf dem Schulhof machten. Sie wollten die Tradition voriger Abitur-Jahrgänge fortsetzen. Den Bau konnten sie jedoch nicht stemmen, denn umfangreiche Renovierungsarbeiten waren für das Gelände geplant. Die Idee zur Denkmalfeier entstand im Anschluss. Die Abiturienten stellten die atmosphärische Feier auf die Beine, die Folgejahrgänge übernahmen des Format nach erfolgreicher Erstauflage.

Die Organisation leiten derweil alle Sprecher aktueller Stufen, die Träger des Förderpreises sowie weitere Helfer. 20 Ehemalige sind mit von der Partie. Das Team rechnet auch diesjährig mit vielen Gästen aus der Region, rund 350 Besucher werden erwartet. Die Feier beginnt an der Essener Straße 259 um 22 Uhr, der Eintritt beträgt 7 Euro.

WAZ 22.12.2016

Ein Wiedersehen nach fünfzig Jahren

Der Jahrgang von 1966 des ehemaligen Jungengymnasiums kam zu einem Klassentreffen zusammen. Gemeinsam erzählten sie vom damaligen Schulalltag

Fünfzig Jahre nach dem eigenen Abitur denkt wohl kaum einer mehr an seine Schulzeit. Doch Absolventen des früheren Jungengymnasiums kamen nun zu einem Wiedersehen in Bottrop zusammen. Die Herren, die 1966 ihr Abitur gemacht hatten, nutzten die Gelegenheit, um sich über Erinnerungen aus dem Klassenzimmer auszutauschen.

Auch der mittlerweile 90-jährige Klassenlehrer Klaus Kayser kam mit seiner Frau Christa zu dem Treffen. „Es wurden Geschichten lebendig, die dem berühmten Film ‘Die Feuerzangenbowle’ mit Heinz Rühmann Stoff zu weiteren Episoden gegeben hätten“, sagt der frühere Schüler Hans-Werner Fröhlich.

Die Ehemaligen wurden von Dieter Wollek, Leiter des Kulturamtes, durch ihr altes Schulgebäude an der Blumenstraße geführt. Abiturienten, die nicht mehr in Bottrop wohnen, seien besonders über die Veränderungen ihrer alten Schule überrascht gewesen: Wo einst das Jungengymnasium war befindet sich nun das Kulturzentrum der Stadt. Nach der Führung machten die Herren Halt auf dem alten Friedhof an der Horster Straße und legten eine Gedenkstunde für die verstorbenen Schulkollegen ein.

Bei einer anschließenden Runde im Overbeckshof wurden alte Schultexte von Platon zum Thema, und wie die Beatles und die Rolling Stones auf dem Vormarsch waren. „Es kamen aber auch die Schattenseiten der Schuljahre in Bottrop zur Sprache“, so Fröhlich. „Von den meisten Lehrern wurde die Nazizeit verschwiegen oder sie antworteten auf Fragen der Schüler ausweichend.“ Auch körperliche Züchtigungen seien nicht selten gewesen.

Anders sah der Unterricht von ihrem Klassenlehrer Klaus Kayser aus: Gerade weil er den Krieg als Soldat erlebt hatte, sprach er das Thema offen und sehr kritisch im Unterricht an. Noch heute wird Kayser, der später Oberstudiendirektor wurde, deshalb von seinen ehemaligen Schülern verehrt. Doch nicht nur er prägte die Laufbahn der Absolventen. Auch den damaligen Sprachunterricht möchten sie nicht missen: „Latein und Griechisch öffneten die Türen zu einer weitgefächerten Bildung“, erklärt Fröhlich.

Die Ausbildung diente als nützliche Grundlage für die späteren Ärzte, Rechtsanwälte und Architekten. Jürgen Thebrath motivierte die sprachliche Ausrichtung zu einer Karriere als Journalist, die von der WAZ-Lokalredaktion in Bottrop bis zum ARD-Korrespondenten in die USA führte. Rudolf Piekorz hingegen entschied sich für eine Laufbahn als Latein-Lehrer und kehrte an seine alte Schule zurück. (Valerie Becker / WAZ Bottrop vom 30.11.2016)

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Abiturienten bauen ihr Denkmal wieder auf

Das Denkmal des Abi-Jahrgangs von 1986 des Heinrich-Heine-Gymnasiums wurde vor 30 Jahren zerstört. Zum Jubiläum bauten die Ehemaligen Kunstwerk wieder auf.

Der schwarze Würfel ist zurück am Heinrich-Heine-Gymnasium. Nur der bröckelnde Betonsockel erinnerte 30 Jahre lang an den Abiturjahrgang von 1986. Aktuelle Schüler wussten nicht, was dieser nutzlose Quader an der Aula zu bedeuten hat. Nun haben die ehemaligen Abiturienten von 1986 zum Jubiläum den Würfel an seinen angestammten Platz zurückgebracht und erneut auf dem Sockel befestigt.

Rückblick: Der Kalender schreibt das Jahr 1986. Die Jahrgangsstufe hat das Abi in der Tasche. Das Motto lautet „alea iacta est („Die Würfel sind gefallen“). Schnell wird überlegt, wie man sich auf dem Schulhof für die Nachwelt mit einem Abi-Denkmal verewigen kann. Heute ist diese Praxis beinahe Standard an Schulen, damals eher eine Seltenheit. Letztlich fällt die Wahl – getreu dem Abi-Motto – auf einen Würfel, der auf einem Betonsockel montiert wird. In Eigenregie wird das Fundament gegossen und der schwarze Würfel aus Blechen zusammengeschweißt und schwarz lackiert. Schrauben dienen als Zahlen. Dann wird der Würfel auf eine Stange montiert und diese im Betonsockel versenkt.

Die Freude über das eigene Kunstwerk ist nur von kurzer Dauer. „Aus welchen Gründen auch immer wurde das Denkmal nach wenigen Tagen beschädigt“, sagt Christa Herlinger. Der Würfel war vom Sockel gefallen oder mutwillig zerstört worden. Die genauen Hintergründe lassen sich nicht rekonstruieren. Jedenfalls liegt das Denkmal zerstört auf dem Boden. „Möglicherweise war es ein Konstruktionsfehler“, gibt Christof Schraven heute offen zu: „Wir hatten damals keine Ahnung von Statik.“ Der Würfel sollte als Symbol für die gemeinsame und erfolgreiche Schulzeit am Heinrich-Heine-Gymnasium die Jahre überdauern. Drei Jahrzehnte später haben die Schüler von einst dazugelernt. In den vergangenen Tagen wurde auf der Betonoberfläche ein Sockel aus Edelstahl montiert. Streben zwischen Stange und Edelstahlsockel verstärken zudem den Halt.

Beim 25-jährigen Klassentreffen reifte der Entschluss, das Denkmal beim nächsten Wiedersehen feierlich vollständig aufzubauen. Fünf Jahre später ist es soweit. „Gut Ding will eben Weile haben“, sagt Knut Wiesten. Das defekte Denkmal war in all der Zeit in seinem Besitz. Jetzt ist es wieder da, wo es hingehört nämlich in einer Reihe mit den Abi-Denkmälern anderer Jahrgangsstufen des Gymnasiums. Nach 30 Jahren hat die Geschichte ein Happy End.

Als der kommissarische Schulleiter Tobias Mattheis von den Absichten des Jahrgangs erfährt, ist er hellauf begeistert. „Ich finde das eine tolle Idee. Es zeigt, wie sehr sich ehemalige Schüler mit unserer Schule identifizieren.“ Spontan nimmt er an der feierlichen Einweihung teil und führt die Ehemaligen bei einem kurzen Rundgang durch das Gymnasium. Abends geht das Jahrgangstreffen weiter. „Mit mehr als 80 Ehemaligen werden wir unser Jubiläum und das Denkmal feiern“, sagt Christa Herlinger.
Carsten Liebfried / WAZ 7.11.2016

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Ex-Schüler besuchen ihren alten Lehrer

Klaus Kayser unterrichtete am Jungen-Gymnasium Religion und Geschichte. In diesem Jahr feierte der spätere Schulleiter in Arnsberg seinen 90. Geburtstag

Schüler der früheren Oberprima des ehemaligen Bottroper Jungen-Gmnasiums besuchten wieder einmal ihren früheren Klassenlehrer Klaus Kayser. Ihre Stippvisite in dessen Wohnort Arnsberg hatte diesmal einen besonderen Anlass. Denn Kayser feierte in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag.

Auch in den Jahren zuvor waren die ehemaligen Schüler aus dem Abiturjahrgang 1969 mit ihren Partnerinnen in den letzten Jahrzehnten in unregelmäßigen Abständen immer wieder nach Arnsberg gereist, um sich mit ihrem ehemaligen Klassenlehrer zu treffen.

„Unser Klassenlehrer Klaus Kayser hat für uns eine besondere Rolle gespielt“, erklärt Rainer Hürter. „Daher haben wir uns immer wieder getroffen, mal in Bottrop, in den letzten Jahren aber eher in Arnsberg“, erzählt der Kirchhellener. Zu dem Wiedersehen seien auch diesmal wieder ehemalige Mitschüler aus ganz NRW zusammengekommen. Norbert Thiemann hatte sie dazu zusammengetrommelt.

Die ersten Gespräche führten die Ex-Schüler mit ihrem alten Lehrer nachmittags bei Kaffee und Kuchen, bevor es bei schönem Wetter hinaus zu einem Spaziergang durch Arnsberg und Umgebung ging. Anschließend schwelgten die früheren Gymnasiasten beim gemeinsamen Abendessen in Erinnerungen, packten so manche alten „Dönekes“ aus und hörten auch immer wieder den Geschichten ihres ehemaligen Klassenlehrers zu, der für alle ehemaligen Schüler zu einer Vertrauensperson geworden ist. „Mein Temperament geht mit mir ein bisschen durch: ein wunderbarer Mensch, Freund und Ratgeber mit einem bewegten Leben, das auf einem christlichen Hintergrund gebaut ist“, meint dessen Schüler Hürter.

Schule als Lebensort

Klaus Kayser unterrichtete am früheren Jungengymnasium [heute HHG] in Bottrop Religion und Geschichte. „Ihm war es damals schon wichtig, Schule nicht nur als Lernort, sondern auch als Lebensort zu verstehen“, sagt Rainer Hürter heute. 1972 nahm Kayser das Angebot an, in Arnsberg Schulleiter am Gymnasium Laurentianum zu werden. „Er verband mit dieser Aufgabe die Hoffnung, einen größeren Gestaltungsraum in der Schule zu gewinnen“, erinnert sich dessen Schüler. 1990 schließlich wurde Kayser pensioniert, das bremste seinen Berufselan allerdings längst nicht. So half der heutige Arnsberger beim Aufbau des Norbertusgymnasiums in kirchlicher Trägerschaft in Magdeburg. Am 2. September 1991 wurde das Gymnasium für 400 Mädchen und Jungen in den Klassen 5-9 eröffnet. Auch beim Aufbau des Gymnasiums Jena stand Kayser beratend zur Seite.

Zurück in Arnsberg arbeitete der pensionierte Schulleiter an der Gründung der Hospiz-Stiftung Arnsberg-Sundern „Dem Leben Hoffnung geben“. 2008 wurde sie gegründet, und Klaus Kayser war bis 2013 der Vorstandsvorsitzende dieser Stiftung. Seine Gedanken und Erlebnisse fasste er in einem Buch zusammen, das 2015 unter dem Titel „1944 – Ein Jahr für ein ganzes Leben“ erschienen ist.

Mit kleinen Geschenken und Gedanken zum Älterwerden nach Jacob Grimm verabschiedete ihr Klassenlehrer seine früheren Schüler am Morgen nach dem Frühstück. Hürter: „Alle hoffen auf ein Wiedersehen im Jahre 2017“.

(Quelle: WAZ vom 19.10.2016)

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Der 90jährige Klaus Kayser (4. von links)

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http://www.derwesten.de/staedte/bottrop/bottroper-ex-schueler-besuchen-alten-lehrer-id12285754.html

Ex-HHG-Absolventin koordiniert Migranten-Förderunterricht

Die Schüler sind unfassbar dankbar
WAZ 3.10.2016 / Kai Süselbeck

Gülsah Mavruk hat ihr Abi am Heinrich-Heine-Gymnasium gebaut, dann Lehramt studiert. Heute koordiniert sie einen sehr erfolgreichen Förderunterricht.

Als Gülsah Mavruk im Fuhlenbrock und im Warmen Eigen aufwuchs, hatte ihre Mutter sie von der Muttersprache Arabisch erst zum türkischen und dann zum deutschen Alphabet geführt. Heute macht die HHG-Absolventin im Prinzip das Gleiche, allerdings für rund 1200 Schüler: Sie koordiniert das Projekt „Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“ an der Uni Duisburg-Essen. Am Dienstag erklärte sie im „Forum für Politik & Gesellschaft“ der CDU, warum das seit 40 Jahren immer besser funktioniert – und was Lehrer und Bildungsplaner daraus lernen können.

Seit 2008 ist Gülsah Mavruk Förderlehrerin für Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch; seit 2010 koordiniert sie das Projekt am Essener „Institut für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache“. Ihre Doktorarbeit befasst sich mit der Frage, wie Lehrer im Studium auf die unterschiedlichen Bildungsstände und Sprachkenntnisse von Migrantenkindern vorbereitet werden können. Und sie hat sich längst dafür entschieden, Deutsch als Zweit- und Fremdsprache weiter zu lehren und zu erforschen, wie das am besten funktioniert. Ihre Begründung, warum sie sich gegen Schule und für Förderunterricht entschieden hat: „Es ist einfach toll, mit Schülern zu arbeiten, die lernen wollen.“

Denn die Schüler, die zu Gülsah Mavruk und den anderen 120 Lehrenden im Projekt kommen, wollen wirklich lernen. Sie haben den festen Willen, einen Abschluss oder gar ein Studium zu schaffen. Sie wissen, dass sie dafür gutes Deutsch brauchen. Und oft ist das Elternhaus keine Hilfe, sagt Gülsah Mavruk: „90 Prozent kommen aus Hartz-IV-Familien. Die Schüler sind sehr oft auf sich allein gestellt. Deshalb kommen sie zu uns, weil sie wissen: Sprache ist der Schlüssel zur Bildung. Und die Schüler sind unfassbar dankbar.“

Bei der jüngsten Abifeier des Projektes hat Absolventin Roshni Luthra (19) gesagt: „Die Tatsache, dass ich acht Jahre lang zusätzlich zur Schule nachmittags zum Förderunterricht gegangen bin, und das liebend gerne, das alleine muss Sie doch zum Staunen bringen.“ Sie wird in ihrem Studium Mathe unterrichten und Teil des Teams bleiben.

Mit Stolz verweisen Förderlehrer auf die Versetzungsquoten ihrer Schüler von fast 98 Prozent. Was macht das Lernen im Projekt so erfolgreich? „Hier legen wir ganz viel Wert auf Schreiben“, sagt Gülsah Mavruk. „Und wir fangen ganz früh an, auch Fachsprache zu lehren. Eigene Texte in Fachsprache zu verfassen, bringt die Schüler unglaublich schnell weiter.“

Rund 250 Flüchtlingskinder werden inzwischen im Projekt betreut. Mit einem Erhebungsbogen erfassen die Lehrenden den Sprachstand in der jeweiligen Erstsprache. Müssen sie das deutsche Alphabet neu lernen? Parallel zu den Deutschkursen bis zum Level C1 beginnt der Fachunterricht. Aufgrund ihrer oft guten Bildung lernen viele Flüchtlingskinder recht schnell Deutsch. Mehr Sorgen macht sich Gülsah Mavruk über eine „verlorene Generation“ von hier geborenen Migrantenkindern: „Die sprechen zwei Sprachen – aber keine richtig.“

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