Heinrich Heine – Der letzte Dichter der Romantik

Dichter, Schriftsteller und Journalist: Heinrich Heine hat die Literatur des 19. Jahrhunderts geprägt wie kaum ein anderer seiner Zunft. Als „letzter Dichter der Romantik“ machte Heine die Alltagssprache lyrikfähig. Heute jährt sich sein Todestag zum 160. Mal. / Von Natasa Balas / RuhrNachrichten vom 16. Februar 2016 (Aktualisiert: 24. Februar 2016)

Heine

Heinrich Heine, der Großmeister der deutschen Sprache, machte den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine Leichtigkeit, wie es sie bis dahin nicht gegeben hat. Grund genug, einen Blick in die Schulen zu werfen, die Heinrich Heine im Namen tragen, und zu schauen: Wie kommt der Dichter im Lehrplan heutzutage zum Tragen, und welche Rolle spielen seine Werte in der Schulerziehung? Denn kaum ein anderer deutscher Dichter ist so häufig übersetzt und vertont worden wie Heine. Dabei war er ebenso bewundert wie gefürchtet als kritischer, politisch engagierter Journalist, Satiriker und Polemiker.
„Thema in der Oberstufe“
Das Heinrich-Heine-Gymnasium in Bottrop zum Beispiel hat sich die Werte seines Namenspatrons auf die Brust geschrieben. „Heine ist bei uns Thema in der Oberstufe“, sagt Direktor Mark Pietrek. In den Fächern Geschichte und Deutsch kommt der deutsche Dichter dann zu Tragen. In den Geschichtsleistungskursen beschäftigen sich die Schüler mit Heines sozialkritischer Haltung zum 19. Jahrhundert. „Das war ein sehr kritischer Mensch und ein großer Europäer“, erklärt Pietrek, „Heine musste Deutschland verlassen und hat von Paris aus über seine Heimat geschrieben“. Der „Schlesische Weber“ sei dafür ein gutes Beispiel: „Heine übt hier viel Kritik am Adel und den Fürsten, denen er immer vorgeworfen hat, Deutschland und vor allem die einfachen Bürger auszubeuten“.
Veranstaltung zum 160. Todestag sind in der Schule aber nicht geplant. Das sei aus organisatorischen Gründen nicht möglich gewesen, da Pietrek erst kürzlich seine Stelle aus Schulleiter angetreten ist. „Im kommenden Jahr feiern wir aber unser 111-jähriges Bestehen und dann wird natürlich auch Heinrich Heine wieder ein großes Thema sein“, sagt der Schulleiter. Ohnehin sei es an seiner Schule aber so, „dass alle Schüler wissen, wer Heinrich Heine war, wenn sie die Schule verlassen“.
„Romantik und Revolution“
Das Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf nimmt den Dichter zum Anlass für die Lesung „Nachts ist es leise in Teheran“ mit Shida Bazyar. „Heine hat von sich selbst immer gesagt, Romantiker und Revolutionär zu sein“, sagt die Programmleiterin des Instituts, Dr. Karin Füllner.
Das sei auch namensgebend für die aktuelle Ausstellung „Romantik und Revolution“, die seit 2014 im Institut zu sehen ist, gewesen. Die Lesung soll einen Bezug zu aktuellen politischen Themen in der Welt geben. Buchvorschläge für Schulen gibt das Institut nicht. „Wir sind aber offen für jede Anfrage“, sagt Füllner, „in der vergangenen Jahren haben wir unser Angebot für Schüler erweitert und auch neugestaltet“. So lagen die Besucherzahlen 2014 bei 4000 Schülern – für das vergangene Jahr liegen noch keine Zahlen vor.
Werte in der Schule
Inhalt des Deutschunterrichts ist Heinrich Heine auch am gleichnamigen Gymnasium in Dortmund. „Die Lehrer werden in ihren Klassen und Kursen das Thema ansprechen“, sagt Schulleiter Detlef von Elsenau, „etwas Größeres haben wir uns aber nicht vorgenommen“. Die Schule trage Heinrich Heine zwar im Namen – auf ihn beschränken will sie sich aber nicht. „Wir haben ein breites Profil, das sich nicht nur aus einem bilingualen Aspekt, sondern auch mit naturwissenschaftlichen, musischen und gesellschaftswissenschaftlichen Themen auseinandersetzt“, sagt von Elsenau.
Die Schüler wissen aber ganz genau, wer Heinrich Heine war. Werte, Philosophie und der humanistische Ansatz seien ein erzieherischer Grundsatz der Schule. Von Elsenau: „Insbesondere die Selbstbestimmtheit des Menschen ist ein wichtiger Punkt unseres Schulprofils“.

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