Gespräch mit KZ-Überlebender beeindruckt Bottroper Schüler

Die Bottroper Schüler mit Inge Auerbacher (m.) und der Antisemitismusbeauftragten des Landes NRW, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (r.), im Plenarsaal des Landtags. [Foto: HHG]

28 Schüler des HHG nahmen an einer Begegnung mit der Holocaust-Überlebenden Inge Auerbacher im Landtag teil. Ein Termin, der nachwirkt.

Sie sollten sich für das Gute entscheiden, nicht den falschen Menschen hinterher laufen – dieser eindringliche Appell der Holocaust-Überlebenden Inge Auerbacher ist den Schülerinnen und Schülern des Heinrich-Heine-Gymnasiums (HHG) im Gedächtnis geblieben. 28 von ihnen hatten die Möglichkeit, im Landtag an einem Zeitzeugengespräch mit Inge Auerbacher teilzunehmen. Die berichtete dort von ihren Erfahrungen als jüdisches Kind in der NS-Zeit und ihrem Überleben im Konzentrationslager Theresienstadt. Julia Keller, die als Lehrerin mit in Düsseldorf war, spricht im Nachhinein von einer „bewegenden Begegnung“.


Inge Auerbacher zeigte im Plenum den Judenstern, den sie als Kind tragen musste.
Foto: Federico Gambarini / dpa

Vor allem die „offene und positive Art“ habe die Schülerinnen und Schüler sehr beeindruckt, sagt Julia Keller. Und so hätten sie auch wissen wollen, wie sich Inge Auerbacher angesichts ihres Schicksals – 20 ihrer nahen Angehörigen starben im Konzentrationslager – diese Eigenschaft bewahrt habe. Ihr gehe es um Versöhnung, sei eine Antwort auf diese Frage gewesen, sagt Julia Keller. Die Generation der Schüler könne nichts für die Taten und Inge Auerbacher unterscheide eben auch zwischen Versöhnung und Vergebung, erinnert sich die Lehrerin an die Begegnung. Den Tätern von damals könne sie nicht vergeben.

 

Ein persönliches Gespräch ist etwas anderes als der Geschichtsunterricht

Diese Einstellung und Offenheit habe es den Jugendlichen im Landtag leicht gemacht, ihre Fragen zu stellen. Dazu kam die Tatsache, dass Inge Auerbacher, die inzwischen seit Jahrzehnten in den USA lebt, deutsch mit den Schülern gesprochen hat. Ihr gehe es darum, den Mund aufzumachen, so lange sie noch kann, machte die Überlebende vor den Schülern deutlich, verbunden eben mit dem Appell, nicht den Falschen hinterherzulaufen.

Die Antisemitismusbeauftragte des Landes, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, hat die Schülerinnen und Schüler auf das Gespräch vorbereitet, sie hat auch zunächst im Plenum mit Inge Auerbacher gesprochen, dann hatten die Schüler die Chancen, Fragen zu stellen. Julia Keller: „So ein persönliches Gespräch ist eben doch etwas ganz anderes als der Geschichtsunterricht anhand entsprechender Quellen.“ Auch im Nachhinein habe die Begegnung die Schüler sehr berührt. „Eine Teilnehmerin hat mir berichtet, dass sie auch nachts noch lange darüber nachgedacht hat.“

Quelle: Matthias Düngelhoff, WAZ 05.09.2019

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